Zum Start in den Frühling liegt noch vieles auf Eis

Niederrhein im Blick,

Die neue Mobilitätsmanagerin Anne Koller ist seit Januar 2021 bei der Stadt Kempen beschäftigt. Foto: Gunnar Braun, Stadt Kempen

Niederrhein. Doppelt so viele Radwege, halb so viele Autos - das ist auf eine Kurzformel gebracht das Ziel der Deutschen Umwelthilfe e.V., die in den letzten Wochen in fast 250 deutschen Städten „Pop-up-Radwege” (s. Kasten auf S. 8, Printausgabe) beantragt hat, darunter auch in Kempen und in Tönisvorst, um schnellstmöglich der wachsenden Schar von Radfahrern gerecht zu werden. “Bisher dauert es bis zu zehn Jahre von ersten Planungen bis zur tatsächlichen Einrichtung neuer Radwege”, kritisiert der Verein. Aus einer ganz anderen Richtung kam jüngst eine Anfrage zum selben Thema: die CDU Kempen fragte im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutzangelegenheiten, wie weit denn das Kempener Radverkehrskonzept inzwischen umgesetzt sei. Im Dezember 2019 war es beschlossen worden, zum Frühlingsbeginn 2021 liegt, so viel vorab, noch vieles auf Eis.

736 Seiten dick ist dieses Radverkehrskonzept. Von einem Kölner Planungsbüro erstellt, ist seine Umsetzung für die Stadt und ihren neuen Bürgermeister “ein Zukunftsprojekt”, heißt es dazu aus dem Rathaus. Vieles hatten die Planer damals gelobt, dennoch: 369 Vorschläge für eine Verbesserung der Radfahrinfrastruktur stehen in ihrem Konzeptpapier. Zum Beispiel die Idee, innerhalb der Wälle ausschließlich Tempo 30-Zonen bzw. Fahrradstraßen auszuweisen. Ein anderer Vorschlag der Kölner Planer: der Altstadtring könnte eine Fahrspur an die Radfahrer abgeben. Und auf der Berliner Allee sollten Radfahrer künftig auf der Straße - bei Tempo 30 - fahren und die Wege neben der Fahrbahn den Fußgängern überlassen.

Jede einzelne Maßnahme aus dem Konzept muss nun auf die rechtliche Umsetzbarkeit hin überprüft werden. Zusätzlich müssen Stellungnahmen anderer Straßenbaulastträger, Straßenverkehrsbehörden oder der Polizei, des Feuerwehr- und Rettungsdienstes und des ÖPNV eingeholt werden. Und nicht alle Maßnahmen können durch die Stadt Kempen alleine umgesetzt werden, da sie auch überregionale Maßnahmen wie zum Beispiel Teile des Radschnellweges Krefeld-Venlo beinhalten, erklärt die Pressestelle des Rathauses, welche Aufwendungen mit der Umsetzung des Konzepts verbunden sind.

Nochmals zurück zum Beispiel Altstadtring. Die abgetrennte Fahrspur auf der Innenseite des Ringes, die so genannte Bike-Lane, für Radverkehr in beiden Fahrrichtungen ist eine Idee aus dem Radverkehrskonzept. Aber: der Altstadtring ist eine Kreisstraße, d.h. die Planungshoheit liegt nicht bei der Stadt Kempen, sondern beim Kreis. Ob an der Berliner Allee der Empfehlung aus dem Radverkehrskonzept folgend die Radwegbenutzungspflicht aufgehoben werden kann, werde derzeit geprüft, heißt es. Da aber die entlastende Straße im Kempener Westen erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erwarten sei, müssten in den nächsten Jahren “Zwischenlösungen” gefunden werden, so die Pressestelle.

Ein weiterer Antrag aus dem Radverkehrskonzept, die Geschwindigkeit auf Tempo 30 zu reduzieren, wurde bereits abschließend geprüft und abgelehnt, während die Durchfahrt für LKW's für Teile der Berliner Allee (von Ziegelheider Straße/Dämkesweg bis Straelener Straße) inzwischen verkehrs- rechtlich angeordnet und die Beschilderung umgesetzt wurde. Weiterhin in der Prüfung befinde sich die Anordnung eines beidseitigen Fahrradschutzstreifens zunächst für den Bereich von der Ziegelheider Straße/ Dämkesweg bis zur Straelener Straße. Darüber hinaus habe man prüfen wollen, ob auf der Berliner Allee eine Querungshilfe oder ein Fußgängerüberweg eingerichtet werden kann. Doch dann kam Corona und damit die Aussetzung der Präsenzpflicht an den Schulen, so dass die Ermittlung des Fußgänger-Querverkehrs zunächst aufgeschoben werden musste, da keine belastbaren Zahlen für die abschließende Entscheidung ermittelt werden können.

Überhaupt, so hieß es auch im Umwelt- und Klimaschutzausschuss, hat Corona die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes verzögert. “Auf Grund der Mehrbelastungen war es der hiesigen Ordnungsbehörde noch nicht möglich größere Projekte aus dem Radverkehrskonzept abschließend zu prüfen und die entsprechenden verkehrsrechtlichen Anordnungen zu treffen”.

Dennoch ist die Stadt nicht untätig. Im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz stellte Heinz Puster vom Umweltreferat der Stadt Kempen ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor, die in 2021/2022 umgesetzt werden sollen. Zum Beispiel die Errichtung von Fahrradboxen am Bahnhof, eine Fahrradservicestation zur schnellen Selbsthilfe, ebenfalls am Bahnhof, eine Querungshilfe für den Altstadtring auf Höhe des Mülgauwegs, Fahrradzonen im Bereich Schulen/Krankenhaus nach Abschluss der Kanalbaumaßnahmen auf der Von-Broichhausen-Allee, Umbau der Einmündungsbereich der Fahrradzone Wachtendonker Straße/Kerkener Straße u.v.m.

Zwei neue Mitarbeiterinnen verstärken seit Anfang des Jahres die Verwaltung in den Bereichen Klimaschutz und Mobilität, Marie Roosen und Anne Koller. Beide Bereiche hängen eng zusammen, da ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement einen direkten Einfluss auf den Klimaschutz hat. Mobilitätsmanagerin Anne Koller, die im Umweltreferat für den Bereich Mobilität und Radverkehr arbeitet, soll sich nun mit Nachdruck um die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes kümmern.

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