„Zeelink” frisst sich durch die Felder

Niederrhein im Blick,

Auf 26 Kilometer verläuft „Zeelink” auf Kreis Viersener Gebiet. 2021 soll die Gaspipline in Betrieb gehen.

Niederrhein. Spätestens seit auf dem Krefelder Weg im Bereich Unterweiden ein Tempo 30-Schild steht, ist die Dimension dieses Projekts deutlich geworden. Auf einer rund 600 m breiten Trasse, die auch vor Überlandstraßen nicht halt macht, frisst sich Zeelink unaufhaltsam durch die Felder.
Vor drei Monaten haben die Arbeiten für den Bau der Erdgas-Pipeline begonnen, und sie schreiten rasch voran. Gigantische Erdaushübe, bis zum 18 m lange Rohre und eine Armada an Kränen und Baggern flankieren allerorten die Strecke.
Aktuell werden die Rohre vor Ort gebogen und zusammengeschweisst; dann geht´s unter die Erde. Etwa 120 cm tief wird die Leitung schlussendlich liegen. Nur gelbe Schilder sollen oberirdisch auf den Verlauf hinweisen. Insgesamt wird Zeelink rund 210 km lang sein, 26 km davon verlaufen auf Kreis Viersener Gebiet. Dieser Abschnitt beginnt in St. Hubert zwischen Kempen und Krefeld, verläuft dann südlich durch die Äcker Richtung Tönisvorst, wobei das Gewerbegebiet Tempelsfeld und Höhenhöfe westlich umgangen wird. Weiter geht es Richtung Willich.
Nachdem die Bahnlinie Krefeld-Viersen-Mönchen-gladbach unterführt wird, gibt es in Höhe der Holterhöfe, direkt an der Willicher Stadtgrenze zu Krefeld-Forstwald, eine Station. Diese Stationen unterbrechen die Fernleitung in Abständen, um bestimmte Abschnitte abschotten und überprüfen zu können. Die Gasfernleitung verläuft weiter parallel der A 44, so wird Alt-Willich umgangen. Dann macht die Leitung einen Knick nach Süden und verläuft östlich von Willich und Schiefbahn durch landwirtschaftliche Flächen, um dann unter der A 52 und der B 7 weiter in den Kreis Neuss zu gelangen.
Gebaut wird Zeelink von den deutschen Netzbetreibern Open Grid Europe (OGE) und Thyssengas. Die Pipeline soll ab 2021 eine Verbindung herstellen zum belgischen Gasnetz und dem Flüssigerdgasterminal Zeebrügge an der Nordsee. Laut der Planer ist die Pipeline zur Umstellung vom so genannten L- auf H-Gas erforderlich.
L-Gas werde ab 2030 in Deutschland nicht mehr zur Verfügung stehen; das bisherige Leitungsnetz sei für den Transport von H-Gas nicht geeignet. Das Projekt hat eine gewaltige wirtschaftliche Dimension: Zeelink kostet nach aktueller Schätzung ca. 600 Mio Euro. Es werden allein rund 100.000 Tonnen Stahl verbaut, die von Mannesmann Salzgitter geliefert werden. Bedenken wurden seitens der Naturschützer, insbesondere aber von Anwohnergemeinden formuliert. Derzeit ist noch ein Verfahren am OVG Münster anhängig: die Stadt Hünxe hatte gegen den Planfeststellungsbeschluss geklagt. Eine aufschiebende Wirkung hat dieses Klage jedoch nicht. Satt dessen werden nun täglich Meter für Meter Tatsachen geschaffen. Sind die Gräben ausgehoben und die Schweißnähte gesetzt, beginnen die Verlegearbeiten. "300 bis 500 Meter täglich" seien zu schaffen, heißt es seitens der OGE. Schon bald dürfte von Zeelink also nicht mehr viel zu sehen sein. 

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