Fasten - und die Fülle des Augenblicks spüren

Niederrhein im Blick,

Niederrhein. Die ausgelassenen Karnevalstage sind vorbei, trotz der abgesagten Züge wurde allerorts gefeiert, seit Aschermittwoch ist nun Fastenzeit, vorösterliche Buße und Vorbereitung auf das Osterfest angesagt. Manche schränken sich in der Fastenzeit bei Süßigkeiten, Alkohol und anderen Genussmitteln ein, andere besinnen sich, beten oder spenden verstärkt. Geht diese Zeit an einigen Menschen auch einfach unbeachtet und spurlos vorbei? NiB hat nachgefragt.
„Von allem ein bisschen weniger“, meint Thomas Goßen, Bürgermeister von Tönisvorst, und sagt: “Ich nehme mir vor, Genussmittel einzuschränken, zum Beispiel die Süßigkeiten. Auch will ich weniger Fleisch essen. Auch trinke ich abends schon mal gerne ein Gläschen Wein, worauf ich in der Fastenzeit ebenfalls versuchen möchte zu verzichten.“
Michael Scharfenberg, vom gleichnamigen Autohaus in Kempen, schließt sich ihm an mit den Worten: „Ich verzichte auf alles, was mir sonst lieb ist, auch wenn es manchmal schwer fällt. Es ist aber machbar und zu schaffen! Meine Familie macht dabei mit. Wir wollen keine Süßigkeiten essen und kein Fleisch und ich möchte ganz auf Wein verzichten. Ausnahmen machen wir dann wohl mal an den Sonntagen. Außerdem wollen wir unseren Medienkonsum einschränken, was wir aber auch außerhalb der Fastenzeit versuchen. Gerade bei Tisch haben Handy, Tablet & Co. bei uns nichts verloren.“
Markus Hergett, Wirtschaftsförderer der Stadt Tönisvorst, nennt bezüglich der Fastenzeit drei Dinge: Wertschätzung, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit. Er betont: „Werte, die für mich das ganze Jahr über wichtig sind. In der Fastenzeit tritt die Achtsamkeit in Bezug auf den eigenen Körper und die Gesundheit, noch weiter in den Vordergrund… durch möglichst häufigen Verzicht auf Süßes oder ähnliches.“
Stefan Robben vom Werbering St. Tönis empfindet diese vorösterliche Zeit als eine Art Impuls, verstärkt auf Verschiedenes zu achten, gibt aber auch zu: „Man nimmt sich zwar öfter mal was vor, aber die Einhaltung dessen ist eine andere Sache. Ich möchte mich in dieser Zeit noch mehr bewegen, also verstärkter Sport treiben und noch intensiver auf meine Ernährung achten. Schließlich müssen auch die drei bis vier zugelegten Winterkilos mal wieder runter...“
Für Wolfgang Schouten, Leiter des Tönisvorster Ordnungsamtes, ist die Fastenzeit MEHR als eine Zeit des Verzichtes. Er betont: „Sie ist auch eine Zeit der Besinnung. Wir können bewusst dem nachspüren, was uns trägt und Dingen Zeit einräumen, die sonst in der Hektik des Alltags oft viel zu kurz kommen. Sieben Wochen einmal anders denken, die Fülle des Augenblicks spüren, das Leben mit allen Sinnen genießen, gerade in der heutigen Zeit. Für mich dient sie auch dazu, einfach zu SEIN und zu tun, was einem guttut und stärkt.“
Für Propst Dr. Thomas Eicker aus Kempen bedeutet die Fastenzeit eine jährlich wiederkehrende Besinnungszeit auf das, was wirklich wichtig und notwendig für sein Leben ist: „Auf Überflüssiges kann ich verzichten. Zudem versuche ich in dieser Zeit, mein übliches Arbeitspensum etwas zu reduzieren und dafür Zeiten der Stille und Meditation zu halten. Das Buch des muslimischen Schriftstellers, Navid Kermani, mit dem Titel „Ungläubiges Staunen“ wird mich durch die Fastenzeit begleiten. Der Autor legt darin seine Sicht auf das Christentum dar und gibt mir vielleicht den ein oder anderen Impuls für eine neue Sicht bezüglich meines eigenen Glaubens.“
Und wie denkt der Kempener Karnevalsprinz, Rainer Pasch, über die Fastenzeit? Er lacht und gibt zu: „Vor lauter Karneval fand ich bisher noch nicht wirklich Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Eigentlich nehme ich mir dafür aber nichts Konkretes vor, denn ich finde, man kann Vorsätze zu jeder beliebigen Zeit im Jahr treffen. Trotzdem ist diese Zeit auch für mich eine Vorbereitung auf das höchste Kirchenfest des Jahres.“

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