Kurzer Draht statt gefilterter Informationen

Niederrhein im Blick,

„Es klemmt hier und da in Kempen”, finden (v.l.) Heinz-Josef Rox, Detlev Schürmann, Armin Horst, Bernd Kanders, Rainer Hamm und Markus Claaßen.

Kempen. (wil) Was lange gärt, wird endlich Wut, hieß ein Spruch aus der Polit-Sponti-Szene der 1970er-Jahre. Deutlich moderatere Töne schlägt die „Initiative pro Kempen" an. Sie spricht von „einer gewissen Unzufriedenheit mit der Kempener Verwaltung und den politischen Gremien". Doch damals wie heute gilt: wenn die Frustration zu groß wird, nimmt man die Dinge selbst in die Hand. „Wir wollen verhindern, dass wir uns in den Stadtrat wählen lassen müssen", sagt Armin Horst. Der Vorsitzende des Werberings gehört neben Vertretern des Verkehrsvereins, der Vereinigten Turnerschaft, des Unternehmerkreises und Kempener Unternehmern zu den treibenden Kräften der Initiative. Ihr Plan: die Arbeit in Verwaltung und Politik "kontruktiv und lösungsorientiert" zu begleiten. Armin Horst: „Wir bieten unsere Hilfe an. Wir werfen nicht den Fehdehandschuh, sondern reichen die Hand. Wir wollen die Karre gemeinsam aus dem Dreck ziehen."
Entstanden sei die Idee, die kritischen Stimmen zu vereinen, vor rund einem Jahr. „In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gab es am Rande von Veranstaltungen einige informelle Gespräche zwischen Vertretern verschiedener Kempener Vereine und Kempener Bürgern. Dabei wurde Stillstand und in vielen Fällen sogar eine Verhinderungspolitik empfunden, und das in einer Zeit, in der zahlreiche Veränderungen anstehen und sich die gesellschaftliche und politische Landschaft radikal ändert. Zudem stehen in diesem und im nächsten Jahr einige personelle Entscheidungen an, die die Zukunft Kempens auf Jahre hinaus prägen werden", so die Initiative.
Jürgen Hamelmann, inzwischen Vorsitzender des Verkehrsvereins Kempen, habe diverse Vereinigungen an einen Tisch geholt. Dann wurden Gespräche mit allen Parteien (außer mit Die LINKE) geführt. „Es hat sich schon einiges getan seither", berichtet Armin Horst. Zur Sprache kamen etwa die verkaufsoffenen Sonntage oder auch der Wunsch nach mehr Unterstützung für die heimischen Gewerbetreibenden. Verkaufsoffene Sonntage auch außerhalb des Stadtzentrums und die Einstellung eines Wirtschaftsförderers seien schon sichtbare Erfolge. "Einige Fakten waren offensichtlich für die Politiker neu und erstaunlich", so Werberinggeschäftsführer Rainer Hamm. "Wir haben den Eindruck, dass den Politikern in der Vergangenheit gefilterte Informationen zur Verfügung gestellt wurden". Kürzere Kommunikationswege, Anträge, die in cc direkt an die Fraktionen gehen, und regelmäßige Treffen sollen nun für einen regen Austausch sorgen. „Unter allen Teilnehmern wurde ein kurzer Draht und eine offene Informationskultur vereinbart", so Detlef Schürmann, Vorsitzender der Vereinigten Turnerschaft, der angesichts des Ausschreibungsverfahrens für die Dreifachturnhalle, die seit Juni gesperrt ist, „die Welt nicht mehr versteht". "Noch immer ist nichts passiert und ich rechne schon nicht mehr damit, dass die Halle vor Mitte kommenden Jahres fertig wird". Heinz-Josef Rox vom Verkehrsverein bringt auf den Punkt, was alle in der Initiative stört: „Wenn man die Verwaltung um Mithilfe bittet, werden nicht sämtliche Möglichkeiten ausgelotet, sondern eher die Grenzen gesucht". Einen Verein oder Verband gründen möchte man nicht. Auch weiterhin will man sich im großen Kreis mit den Parteien zusammensetzen. „Der größte Erfolg der Initiative wäre, wenn sie sich wieder auflösen kann", so Armin Horst. 

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