Katastrophale Zustände beim RE 10 / CDU stellt Antrag:
Niederrhein im Blick,
„Es sind unsere Bürger, die Tag für Tag leiden müssen“
Kempen. Jetzt will die Kommunalpolitik nicht länger zuschauen. „Die derzeitige Situation auf der Linie RE 10 ist für viele Pendlerinnen und Pendler – sowohl Berufstätige als auch Schülerinnen und Schüler – schon lange nicht mehr hinnehmbar“, so die CDU Kempen. Und seit einigen Wochen ist es noch schlimmer geworden, weil der „Niersexpress“ werktags nur noch stündlich statt im vorgesehenen halbstündlichen Takt verkehrt. Bürgermeister Christoph Dellmans soll nun bis zur Ratsitzung am 12. März „ein grobes Konzept vorlegen, wann und in welcher Form eine öffent- liche Informations- und Diskussionsveranstaltung mit leitenden Verantwortlichen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) sowie des Betreibers Transdev durchgeführt werden kann, so der Antrag der CDU.
Schon seit Jahren gilt der RE 10 NRW-weit als Spitzenreiter in punkto Unpünktlichkeit, Ausfall und Überfüllung. Er stellt die einzige Bahnverbindung am unteren linken Niederrhein dar, auf die täglich mehr als 20.000 Fahrgäste angewiesen sind. Die Rhein-Ruhr-Bahn hat eingeräumt, dass die Ausfallquote im Januar bei 41 Prozent gelegen hat. Fast jeder zweite Zug auf der Strecke fällt also aus! Schuld an den aktuellen Einschränkungen seien „Unregelmäßigkeiten“, die an einzelnen Fahrzeugen festgestellt wurden. Daraufhin mussten alle Fahrzeuge kontrolliert werden. Man arbeite nun „mit Hochdruck daran, die Fahrzeugverfügbarkeit zu stabilisieren und schrittweise wieder zum regulären Fahrplan zurückzukehren“.
Einschränkungen auf der Strecke gibt es aber schon seit Jahren: Stellwerkprobleme, defekte Bahnübergänge, fehlendes Personal. Der Verkehrsverbund Rhein Ruhr hat als Auftraggeber die Rhein-Ruhr-Bahn abgemahnt und eine Strafzahlung im hohen sechs- stelligen Bereich verlangt. Die CDU Kempen spricht angesichts dieser Situation von unzumutbaren Zuständen und sieht Handlungsbedarf für die Stadt Kempen. Die Verwaltung soll beauftragt werden, „alle möglichen Wege der Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen von der Situation des RE 10 betroffenen Kommunen zu prüfen und aktiv umzusetzen, um gemeinsam gegenüber VRR und Betreiber aufzutreten“, heißt es im CDU-Antrag. „Obwohl ursprünglich angekündigt war, Anfang Februar wieder zum regulären Fahrplan zurückzukehren, wurde dieser Termin inzwischen auf unabsehbare Zeit verschoben.“
Auch der aktuell verbleibende Zugbetrieb ist äußerst unzuverlässig. Versp tungen von 15 bis 20 Minuten gelten bereits als „normal“, Verspätungen von bis zu 45 Minuten sind keine Seltenheit. Die CDU Kempen findet: „Diese Zustände sind für Schülerinnen und Schüler, die täglich in Richtung Krefeld oder Geldern fahren, ebenso unzumutbar wie für diejenigen, die Schulen in Kempen besuchen. Gleiches gilt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die entweder nicht zuverlässig von Kempen aus zu ihren Arbeitsstätten gelangen oder ihre Arbeitsplätze in Kempen nicht erreichen können.“
Darüber hinaus stellt die Situation nach Ansicht der CDU ein deutliches Standortproblem für die Stadt Kempen dar. „Viele Betroffene weichen notgedrungen auf den Individual- verkehr aus, sofern ihnen dies möglich ist – eine Entwicklung, die den verkehrs- und klimapolitischen Zielen widerspricht.“ Der angebotene Schienenersatzverkehr sei insbesondere für Fahrten in Richtung Kleve keine praktikable Alternative: Die Busfahrt dauert nahezu zwei Stunden. „Die reguläre Fahrzeit des RE 10 von Kempen nach Düsseldorf Hauptbahnhof beträgt rund 39 Minuten. Mit dem derzeitigen Ersatzverkehr sind Pendlerinnen und Pendler mindestens eineinhalb Stunden, häufig sogar deutlich länger unterwegs. Dies ist für Berufstätige, Studierende, Schüler und alle anderen Fahrgäste nicht zumutbar.
Nicht nur die Mobilität der Menschen, sondern auch Bildungs- und Arbeitschancen seien vor diesem Hintergrund gefährdet: „Auch wenn die Zuständigkeiten nicht bei der Stadt Kempen liegen, sind es aber unsere Bürgerinnen und Bürger, die Tag für Tag unter den katastrophalen Zuständen leiden müssen.“
Wer auf den RE10 angewiesen ist, hat`s schwer: im Januar lag die Ausfallquote auf dieser Strecke bei 41 Prozent.