Fahrtraining für die Generation 65+

Niederrhein im Blick,

Um Senioren den Umgang mit dem 25 km/h schnellen Zweirad zeigen zu können, hat die Kreisverkehrswacht Viersen der Kreispolizeibehörde ein E-Bike gespendet.

Niederrhein. Seit Corona sind mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. Besonders die Verkaufszahlen von E-Bikes sind sprunghaft angestiegen, was auch zu deutlich mehr Unfällen führte. Laut Auswertung des Statistischen Bundesamts starben 2020 von Januar bis Dezember 142 Menschen auf einem Elektrofahrrad. Das ist ein Anstieg um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, obwohl die pandemiebedingten Einschränkungen allgemein zu weniger Unfällen führten.
Im Kreis Viersen verunglückten im Jahr 2020 vier E-Biker tödlich, drei von ihnen waren älter als 65 Jahre. Die Deutsche Verkehrswacht appelliert an alle E-Bike-Neulinge, sich vor dem Kauf genau zu informieren. Außerdem sollten Fachhändler immer eine Einweisung in Funktion und Handhabung sowie ausführliche Probefahrten anbieten. Individuelle Fahrtrainings und ein Fahrradhelm sind zusätzlich empfohlen. Damit das auch für (Noch-)Nicht-Besitzer geht, hat die Kreisverkehrswacht Viersen der Kreispolizeibehörde ein E-Bike gestiftet, damit vor allem ältere Leute schon vor der Kaufentscheidung den Umgang mit einem solchen Zweirad üben. Gemeinsam mit der Volkshochschule Kreis Viersen (VHS) haben die Verkehrssicherheitsberater von der Kreisverkehrswacht einen Pedelec-Kurs erarbeitet. Das jetzt gestiftete Gefährt hilft dabei, anschaulich erklären zu können, wo die Vorzüge, aber auch die Gefahren bei der Nutzung liegen. Praktische Übungen mit einem anschließenden Training runden den Kurs ab. Intensiver ist der Pedelec 65+-Kurs, den die VHS demnächst in Kempen anbietet.
Am Dienstag, 22. Juni, und Donnerstag, 24. Juni, jeweils 14 bis 17 Uhr werden Senioren geschult. Insgesamt 8 Stunden sind eingeplant, in denen Martin Gennert, Polizeihauptkommissar bei der Kreispolizei Viersen und in der Direktion Verkehr für die Unfallprävention im Raum Kempen verantwortlich, der Generation 65+ den Umgang mit dem E-Bike zeigen wird.
Im Theorieteil, der im Rhein-Maas-Berufskolleg Altbau, Raum 22, von-Saarwerden-Straße 25 stattfindet, erfahren die Senioren aus erster Hand alles über aktuelle Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung. Dazu zählen vor allem die Regeln zur Benutzung des Radfahrstreifens oder beim Nutzen von Kreisverkehren.
Im praktischen Teil wird zunächst der Umgang mit dem Pedelec in schwierigen Situationen geübt. Dazu zählen u.a. Ausweich- und Bremsmanöver. Anschließend lernen die Teilnehmer bei einer kleinen Rundfahrt, wie sie schwierige Kreuzungen in Kempen meistern. Mitzubringen sind ein eigenes E-Bike/Pedelec, Fahrradhelm und Pausenverpflegung. Der Kurs ist kostenlos, anmelden muss man sich bei der Kreis-VHS bis zum 15. Juni. „Die seit der Corona-Krise neu entfachte Begeisterung für das Rad- und Pedelecfahren darf nicht in Rekord-Unfallzahlen münden. Radfahren darf kein Risikosport sein – es muss komfortabel und sicher für Menschen aller Altersgruppen und Fitnesslevel werden”, fordert der Bundesgeschäftsführer des Fahrradclubs ADFC Burkhard Stork. „Es reicht aber nicht, Pedelec-Fahrtrainings anzubieten – der wichtigste Hebel ist die Infrastruktur. Für die verkehrsüberlasteten Städte ist es ein Segen, wenn viele Menschen das Rad- und Pedelecfahren für sich neu entdecken. Alles, was sie jetzt brauchen, ist eine gute Infrastruktur.“ 

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