Der Kultur-Shutdown in Kempen ist zu Ende

Niederrhein im Blick,

Die Gruppe Spark spielt nächste Woche in Kempen - unter Corona-Bedingungen.

Kempen. “Wir fahren auf Sicht!” Auch beim Kulturamt Kempen ist dieser Satz, der den Alltag derzeit in vielerlei Hinsicht bestimmt, Programm. Der neue Spielplan ab Herbst 2020 sieht 32 Veranstaltungen allein für dieses Jahr vor. Ob und wie sie stattfinden können, weiß noch kein Mensch, und so hat sich das Kulturamt entschlossen, für die nächste Saison keine Abos und auch keine online-Reservierungen anzubieten, sondern von Fall zu Fall zu entscheiden und die Tickets erst „jeweils ca. sechs Wochen vor der Veranstaltung” zu verkaufen, berichtet der stellvertretende Leiter Martin Klapheck.
“Wir hoffen natürlich, dass wir irgendwann den Hebel wieder umlegen können, aber derzeit gilt das übliche Schema nicht”, so Klapheck. Am kommenden Donnerstag, 4. Juni, ab 18 Uhr wird er im Kulturausschuss - wie alle Ausschusssitzungen derzeit im Forum St. Hubert - das Programm für die nächsten Saisonvorstellungen vorstellen: besagte 32 Veranstaltungen in 2020, weitere 34 in 2021 sowie ein komplettes Festival im April 2021 zu Ehren von Felix Mendelssohn Bartholdy sind akribisch geplant und liebevoll vorbereitet. Aber stehen nun - leider - unter Corona-Vorbehalt. Das gilt natürlich auch für die noch ausstehenden Konzerte der aktuellen Spielzeit.
Eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Peter Landmann, künstlerischer Leiter des Vereins Kempen Klassik dazu: „Wir müssen die Corona-Regeln umsetzen und gleichzeitig unseren eigenen Weg finden, der die Einzigartigkeit der Kempener Konzerte erhält.“ Das erste Konzert unter diesen Bedingungen hat am gestrigen Donnerstag, 28. Mai, das A Cappella Sextett ‚Slixs‘ bestritten. Am 6. Juni wird die Gruppe Spark unter Corona-Auflagen auftreten. Maximal 100 Personen statt der sonst knapp 400 finden in der Paterskirche Platz, weil zwischen den Besuchern bzw. Besuchergruppen immer drei Stühle frei bleiben müssen. Ansonsten gilt: Hände desinfizieren, Maske tragen, bis man am Platz ist, keine Pause, keine Bewirtung. Unvermeidbar war, dass zunächst sämtliche schon verkauften Tickets incl. Abos ihre Gültigkeit verlieren und umgetauscht oder zurückgegeben werden mussten. Danach startete der Verkauf neu.
Bislang ist das alles gut gelaufen, freut sich Martin Klapheck vom Kulturamt.”Kein Problem”, hätten viele Karteninhaber signalisiert und etliche seien auch der Bitte des Vereins Kempen Klassik nachgekommen, den Ticketpreis nicht zurückzufordern, sondern ihn dem Verein als Spende zukommen zu lassen. Vereinsvorsitzende Doerte Schäfer: „Damit können wir Musikerinnen und Musiker, die vielfach momentan vor der Existenzfrage stehen, besser unterstützen und die kommende Saison absichern.“
Flexibilität ist das Gebot der Stunde, auch in finanziellen Dingen. Um die Einnahmenverluste durch weniger Tickets auszugleichen, wurden die Preise leicht erhöht; statt vier Preiskategorien gibt es nur noch drei. Außerdem wurden alle Musiker gefragt, ob sie bereit seien, ggf. auf einen Teil ihres Honorars zu verzichten oder aber statt des geplanten einen Konzerts zwei Konzerte zu geben, was die Gruppe Spark nächsten Donnerstag tun will: zusätzlich zu dem geplanten 19.30 Uhr-Termin wurde bei entsprechender Nachfrage ein weiteres Konzert für 21.30 Uhr angesetzt. Doch nicht alle Ensembles können Kompromisse eingehen. Zum Beispiel das Danish String Quartet, das am 18. Juni ein Kammermusikkonzert in der Paterskirche geben soll. Drei Auftritte in Deutschland waren geplant, in Kissingen und in Hannover haben die jeweiligen Veranstalter schon abgesagt. Ob sich die Dänen nun auf den Weg von Kopenhagen nach Kempen machen und ggf. noch 14 Tage Quarantäne in Kauf nehmen, ist mehr als ungewiss. Verdenken würde es ihnen keiner wohl keiner, wenn sie machen, was jetzt alle so gut können: zu Hause bleiben. 

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